Die Ahnen der "Dollarprinzessin"

Wer kennt sie nicht, die vielgestaltigen und farbenfrohen Fuchsienhybriden, die man auf vielen Gartenausstellungen bewundern kann. Sie alle stammen von den botanischen Fuchsien, den Wildformen ab.
Diese entstanden vermutlich schon vor Millionen von Jahren im südlichen Amerika, wo sie sich im Laufe der Zeit von Mexiko bis Patagonien, von Chile bis Brasilien, von trockenen Wüstengegenden bis in feuchte Regenwälder ausbreiteten. Irgendwie haben sie es sogar bis Neuseeland und Tahiti geschafft.
Wir finden Bodendecker, Rankpflanzen und Lianen, ja sogar Bäume mit Stammdurchmesser bis zu 70 cm und Höhen bis zu 13 Metern unter ihnen.
Einige davon sind auch bei uns in Deutschland in Gärten und Kübeln mittlerweile weit verbreitet. Dazu zählen die Fuchsia  magellanica oder auch die Fuchsia boliviana und die Fuchsia fulgens.
Entdeckt und erstmals beschrieben wurde eine Fuchsie im Jahre 1695. Der Forschungsreisende Charles Plumier entdeckte damals in Santo Domingo einen zierlichen Strauch mit leuchtendroten Blüten. Er benannte ihn nach dem wemdinger Botaniker Leonhart Fuchs Fuchsia trphylla flore coccinea , das bedeudet Fuchsie mit drei Blättern und scharlachroten Blüten. Mit der uns bekannten Fuchsia triphylla hatte diese aber nichts zu tun.
Im 18. und 19. Jahrhundert wurden dann noch viele  Wildformen nach Europa geholt. So im Jahre 1796 die Fuchsia lycioides, 1824 die Fuchsia arborescens, ein Jahr später die Fuchsia excorticata. Darauf folgten dann bis etwa 1844 in kurzen Abständen die Fuchsia thymifolia, Fuchsia microphylla, Fuchsia fulgens, Fuchsia corymbifolia, Fuchsia splendens, Fuchsia apetala, Fuchsia decussata und Fuchsia denticulata.
Kaum waren diese Pflanzen in Europa angekommen wurden sie schon untereinander gekreuzt. Hier haben sich besonders die Engländer hervorgetan. Die `Globosa` war wohl die erste gelungene Kreuzung, die aus der Fuchsia magellanica entsanden ist.
In der heutigen Zeit teilt man die Wildformen in 11 Sektionen ein.

F regia serrae Hoya
F regia serrae Hoya
Foto: Rosi Friedl
Sektion 1 ist Quelusia , Herkunft ist Chile, der Westen Argentiniens und ein kleines Gebiet im südosten Brasiliens. In dieser Sektion finden wir die kälteresistentesten Fuchsien. Die in diese Sektion gehörenden arten sind: F. alpestris, F. bracelinae, F. brevilobis, F. campos portoi, F. coccinea, F. glazioviana, F. hatschbachii, F. magellanica, und F. regia.

F boliviana Saemling
F boliviana Saemling
Foto: Rosi Friedl
Sektion 2 ist Fuchsia, Herkunftsorte sind die Zentralanden. Hier sind 65 Arten zusammengefasst. Alle sind (einjährige) Lianen bzw. Sträucher des Regenwaldes bzw. kühler und feuchter Höhenlagen. In dieser Sektion gibt es nochmals 14 Gruppen, in denen einander ähnliche Arten zusammengefasst sind. So die Gruppen F. decussata, F. loxensis, F. nigricans, F. macrophylla, F. putumayensis, F. petiolaris, F. venusta, F. denticulata, F. simplicaulis, F. sessilifolia, F. tincta, F. boliviana, F. dependens sowie eine Gruppe mit Abweichlern. Hier finden wir auch die F.triphylla.

F fulgens var rubra grandiflora
F fulgens var rubra grandiflora
Foto: Rosi Friedl
Die 3. Sektion ist Ellobium aus Mexiko und Zentralamerika. Hier finden wir Fuchsien mit Knollen sowie epiphytische Formen. Die  Arten sind F. decidua, F. fulgens und F. splendens.

F boliviana Saemling Die 4. Sektion nennt sich Hemsleyella und stammt aus den Nord- und Zentralanden. Hier finden wir Lianen, Büsche sowie Knollen oder verdickte Stämme bzw. Wurzeln.14 Arten gehören hierher, unter anderen die F. apetala, F. insignis und F. juntasensis.

F lycioides Chilco
F lycioides Chilco
Foto: Rosi Friedl
Zur 5. Sektion Kierschlegeria aus dem küstennahen Zentralchile gehört nur F. lycioides, eine bedornte reichblühende Pflanze.

F arborescens
F arborescens
Foto: Rosi Friedl
Die 6. Sektion heisst Schufia und ist in Zentralamerika und Mexiko zu hause. Es handelt sich um kleine Bäume bzw. verholzende Büsche. Hierzu gehören die „fliederblütigen Fuchsien“ F. arborescens und F. paniculata sowie eine Subspecies.

F boliviana Saemling Zur 7. Sektion namens Jimenezia aus den feuchten Regenwäldern Panamas und Costa Ricas gehört nur F. jimenezii.

F microphylla
F microphylla
Foto: Rosi Friedl
Die 8. Sektion Encliandra stammt aus den Wäldern der kühlen Gebirgsketten von Mexiko und Zentralamerika. Hier finden wir alle kleinblütigen Arten, wie F. microphylla oder F. thymifolia sowie 11 Subspecies und F. x bacillaris, eine natürliche Hybride.

F boliviana Saemling Die 9. Sektion Skinnera umfasst Bäume (F.excorticata), Büsche (F. cyrtandroides) und Lianen (F. perscandens) sowie eine natürliche Hybride F. x colensoi. Ihrer aller Heimat ist Neuseeland und Tahiti.

F procumbens
F procumbens
Foto: Rosi Friedl
Aus Neuseeland stammt auch F. procumbens, eine am Boden kriechende Form, die die einzige Art in der 10. Sektion Procumbentes darstellt. Diese Fuchsie ist die einzig bekannte mit der sonst nirgends bei diesen Pflanzen zu findenden gelben Farbe.

F boliviana Saemling Die 11. Sektion Pachyrrhiza  ist im Norden Perus beheimatet. Sie besteht aus einer Art, der F. pachyrrhiza. Sie hat unterirdische Knollen, die allein den Winter überleben.


Wer jetzt gerne noch mehr über diese interessante Abteilung innerhalb der Fuchsien wissen möchte, dem steht das Internet für Recherchen zur Verfügung.
Kaufen kann man botanische Fuchsien unter anderem bei Fuchsien-Friedl.
Ich wünsche euch viel Freude mit den  Wildformen und den Hybriden unserer Fuchsien!!!


Reinhard Schick
Ein Service von Fuchsienfreunde.de